Mistel

Mistel

Romantische Weihnachtstradition oder fieser Schmarotzer?

Vor allem in Großbritannien und Amerika ist die Bedeutung von Misteln fest im Brauchtum, in Legenden und Mythen verankert: der berühmte Kuss unter dem Mistelzweig. Wenn auch hierzulande ein derartiger "Mistel-Brauch" fehlt, so sind Mistelzweige dennoch eine bei uns beliebte Weihnachtsdekoration. In der freien Natur fallen vor allem während der laubfreien Winterzeit die Misteln auf, die büschelartig auf den Ästen zahlreicher Bäume wachsen.

 

Verbreitung

Misteln sind mit mehr als 1.300 Arten weltweit verbreitet. Besonders reich ist ihr Artenspektrum in den tropischen Regenwäldern. Die uns wohlbekannte Mistel mit immergrünen, lanzettartigen Blättern und weißen, kugelförmigen Beeren ist die sogenannte Weißbeerige oder Gemeine Mistel (Viscum album). Es handelt sich dabei um die einzige in Europa vorkommende Mistelart. Je nach Wirtspflanze gliedert sich die Mistel in drei Unterarten: Tannenmistel, Kiefernmistel und Laubholzmistel.

Eines haben fast alle Mistelarten gemeinsam: Sie dringen mit ihren Wurzeln bis in die Leitungsbahnen der Bäume ein und zapfen ihrem Wirt dadurch Wasser sowie darin gelöste Nährstoffe ab. Die meisten Mistelarten betreiben Photosynthese und versorgen sich somit selbstständig mit dem für ihr Wachstum und ihren Energiehaushalt notwendigen Zucker. Daher, werden sie als sogenannte Halbparasiten betrachtet.

 

Biologie

Im zeitigen Frühjahr, etwa von Januar bis April, bildet die Gemeine Mistel zarte, unscheinbare Blüten, die sich bis zum Herbst zu den charakteristischen weißen, beerenartigen Früchten entwickeln. Diese enthalten jeweils einen Samen, der von einem schleimig-klebrigen Fruchtfleisch umgeben ist. Vögel fressen die Früchte und sorgen so für die Verbreitung der unverdaubaren Samen. Kurz nachdem die Samen auf die Wirtspflanzen gelangt sind, beginnen sie auszukeimen. Die Mistel wächst relativ langsam und es dauert etwa zehn Jahre, bis markante Büschel von bis zu 1 m Durchmesser gewachsen sind.

 

Schaden Misteln meinem Baum?

Im gewerblichen Obstanbau und in Forstkulturen sind Misteln nicht gern gesehen, weil sie bei starkem Befall die Bäume schwächen und somit zu Ertragsminderungen führen.

Im Haus- und Kleingarten sind negative Auswirkungen selten zu beobachten. Zum Einen befinden sich die Misteln meist weit oben im Kronenbereich und sind ohnehin schwer zugänglich. Zum Anderen ist ihre Schadwirkung bei gesunden Bäumen gering, weshalb eine Entfernung in der Regel nicht nötig ist. Soll die Mistel dennoch entfernt werden, so muss der Ast abgesägt werden. Es genügt nicht, bloß die Mistel abzubrechen, da sie wieder neu austreiben würde. Diese abgetrennten Mistelzweige bieten sich förmlich an, um Haus und Garten zu zieren.

 

Unser Deko-Tipp

Ein hübsches Arrangement lässt sich ganz einfach aus Zweigen von Thuja, Wacholder, Buchs, Stechpalme (Ilex) und natürlich Misteln zaubern. Locker auf rotem Samt zusammen gelegt und mit ein paar Zapfen, Nüssen und Äpfeln versehen, verbreitet es im Nu weihnachtliche Stimmung.

Wer es lieber klassisch mag, bindet Mistelzweige mit einem roten Samtband zusammen und steckt noch einige Christbaumkugeln dazu.