Fleischfressende Pflanzen (Karnivoren)

 Fleischfressende Pflanzen (Karnivoren) haben sich auf besondere Weise an nährstoffarme Lebensräume angepasst: Um ihren Nährstoffbedarf zu decken, fangen und verdauen sie Insekten und andere kleine Lebewesen.

Seit Naturforscher Charles Darwin im Jahre 1875 das erste bedeutende Schriftstück über fleischfressende Pflanzen verfasst hat, sind heute über 600 Arten bekannt. Die wohl bekannteste ist die Venusfliegenfalle.

Auch als Zimmerpflanzen sind fleischfressende Pflanzen beliebt. Sie sind spannend zu beobachten und helfen nebenbei, lästige Insekten loszuwerden. 


Welche Arten gehören zu den fleischfressenden Pflanzen? 

Fleischfressende Pflanzen werden in fünf verschiedene Typen unterteilt – je nachdem, wie sie ihre Beute fangen:


Klappfallen

  • Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula): Die bekannteste fleischfressende Pflanze ähnelt mit ihrem Fangblatt und den umgebenden Borsten einem Mund. Und so ähnlich funktioniert die Klappfalle auch. Werden die feinen Kontakthäärchen im Inneren des Blattes wiederholt berührt, schnappt dieses in Sekundenschnelle zu – im Pflanzenreich übrigens eine der schnellsten bekannten Bewegungen. Die gefangenen Insekten werden an Ort und Stelle durch abgegebene Sekrete verdaut. 

Klebefallen

sonnentau
  • Sonnentau (Drosera): Pflanzen der Gattung Sonnentau locken ihre Beute mit einem klebrigen Sekret auf den Tentakelspitzen ihrer Blätter an. Landet ein Insekt auf ihnen, bleibt es kleben und die Tentakel neigen sich in Richtung Beute, damit das Insekt nicht entkommt. Gleichzeitig geben sie Verdauungsenzyme ab, welche die Beute zersetzen.
  • Fettkräuter, auch Fettblätter (Pinguicula): Der Name ist Programm. Fettkräuter geben ein klebriges Sekret auf ihren Blättern ab, das diese fettig glänzen lässt. Insekten bleiben kleben und Drüsen auf der Blattoberfläche scheiden Verdauungssaft aus. Klebt das Insekt am Rand, kann sich das Blatt langsam darüber rollen und es so in die richtige Position bringen. 

Saugfallen 

  • Wasserschläuche (Utricularia): Nur fleischfressende Pflanzen dieser Gattung nutzen Saugfallen als Fangmethode im oder am Wasser. Über Lockstoffe oder Vortäuschung von Nahrung wird kleine Beute wie Einzeller angelockt. Mit Luft gefüllte Fangblasen saugen diese per Unterdruck durch eine kleine Luke ein.

Fallgrubenfallen

  • Schlauchpflanzen, auch Trompetenpflanzen (Sarracenia): Die fleischfressenden Pflanzen dieser Gattung haben meist aufrechtstehende, röhrenförmige Blätter mit einer Art Haube, die den Schlauch bei Regen vor dem Überlaufen bewahrt. Diese Karnivoren locken ihre Beute mit einer Kombination aus Farbe, Duft und Sekret an. Insekten verlieren an der teilweise glatten Oberfläche der Blätter den Halt, rutschen ab und landen im unteren Teil des Schlauches, wo die Beute zersetzt wird.
  • Kannenpflanzen (Nepenthes): Diese tropischen Karnivoren locken ihre Beute nach dem gleichen Prinzip in ihre Fallgruben. Es gibt Pflanzen mit Hochkannen oder Bodenkannen – je nachdem, ob sie sich auf kriechende oder fliegende Beute spezialisiert haben. In ihrem natürlichen Habitat können die Kannen einiger Arten bis zu 50 cm groß werden. 

Reusenfallen

  • Reusenfallen (Genlisea): Diese Karnivoren fangen ihre Beute unterirdisch. Die Pflanzen locken kleine Bodenbewohner wahrscheinlich mit Duftstoffen in die kleinen Öffnungen ihrer Reusenblätter. Einmal drinnen, versperren kleine Härchen den Weg nach draußen und der einzige Weg für die Beute ist in Richtung Verdauungsorgan der Pflanze, einer Blase am Stiel. 

Die richtige Pflege und Haltung von fleischfressenden Pflanzen

Abgesehen von der Antarktis wachsen Karnivoren überall auf der Welt. Da sie in fast allen Klimazonen heimisch sind, unterscheidet sich auch die Haltung und Pflege fleischfressender Pflanzen von Art zu Art. Informieren Sie sich vor der Anschaffung über die richtige Haltung. 

1. Erde

Ein nährstoffarmes Substrat mit einem niedrigen pH-Wert ist die richtige Erde für fleischfressende Pflanzen. Achten Sie auch beim Umtopfen darauf, Spezialerde für Karnivoren zu nutzen, und düngen Sie Ihre Pflanze nicht.

2. Gießen

Karnivoren haben es in der Regel gerne feucht:

  • Das Wasser muss gut abfließen können, um Staunässe zu vermeiden. 
  • Nutzen Sie nährstoffarmes und kalkfreies Wasser (Regenwasser oder entkalktes Leitungswasser) zum Gießen Ihrer fleischfressenden Pflanze, da sich sowohl Kalk als auch Nährstoffe in der Erde anreichern und der Pflanze schadet. 
  • Gießen Sie in den Untersetzer.

3. Standort 

Fleischfressende Pflanzen gedeihen an einen Standort mit viel Licht am besten. Viele Arten sind uneingeschränktes Licht gewohnt, da in ihrem natürlichen Habitat aufgrund der nährstoffarmen Erde nicht viel anderes wächst. 


Hier ein paar generelle Tipps, damit Ihre Karnivore bei Ihnen zu Hause gut gedeiht:

  • Viele Arten, wie etwa Schlauchpflanzen, benötigen einen Standort mit viel Licht: eine Fensterbank an einem Südfenster, einen sonnigen Platz im Garten oder Wintergarten. 
  • In tropischen Gebieten heimische Arten bevorzugen oft einen etwas schattigeren Standort, z. B. Arten der Kannenpflanzen. 
  • Fettblätter sind in der Regel an einem Nordfenster gut aufgehoben.
  • Im Winter halten einige Karnivoren Winterruhe (z. B. die Venusfliegenfalle und viele heimische Karnivoren). Sie sollten an einem kühlen Platz ohne Frost und Zugluft überwintern, wie etwa in einem ungeheizten Treppenhaus oder einem Gewächshaus. 
  • Kannenpflanzen und viele andere Karnivoren aus tropischen Gebieten hingegen benötigen im Winter zusätzliches elektrisches Licht, um ihren hohen Lichtbedarf zu decken. 
  • Trockene Heizungsluft bekommt Karnivoren gar nicht. So benötigen Kannenpflanzen eine durchgehend hohe Luftfeuchtigkeit von 80–100 Prozent, andere fleischfressende Pflanzen wie die Venusfliegenfalle und Sonnentau benötigen mindestens 40–50 Prozent. Besprühen Sie Ihre Pflanzen regelmäßig und lassen Sie Wasser in einer mit Blähton gefüllten Schale verdunsten. Arten mit hohem Luftfeuchtigkeitsbedarf gedeihen am besten in einem Terrarium.

Was essen fleischfressende Pflanzen?

Fleischfressende Pflanzen sind für den Menschen komplett harmlos. Für Fliegen und Co sieht das anders aus. Je nach Art, Größe und Fangmethode essen fleischfressende Pflanzen Folgendes: 

  • Insekten und andere Gliederfüßer wie Spinnen, Mücken, Fliegen, Ameisen, Fruchtfliegen etc.
  • Kleinere Tiere wie Mäuse, Frösche, Eidechsen etc. 
  • Tierische Einzeller, planktische Algen und Pollen

Fleischfressende Pflanzen in der Wohnung

Für die Haltung in der Wohnung eignen sich viele fleischfressende Pflanzen wie die Venusfliegenfalle, Kannenpflanzen, Fettkräuter, Sonnentau und Wasserschläuche. Achten Sie bitte auf die individuellen Bedürfnisse der Pflanzen, wenn es um Luftfeuchtigkeit, Zimmertemperatur und Lichteinfluss geht.

Arten, die eine bis zu 100-prozentige Luftfeuchtigkeit benötigen, gedeihen in einem Terrarium am besten. Mithilfe von Neblern können Sie die richtigen Konditionen schaffen. Da bei den Pflanzen im Terrarium oder im Glas das Wasser nicht ablaufen kann, beugen Sie mit einer dicken Schicht Blähton unter der Erde Staunässe vor. 


Fleischfressende Pflanzen im Garten

Viele Karnivoren können im Garten übersommern, nicht aber überwintern. Wenn Sie fleischfressende Pflanzen im Garten pflanzen möchten, legen Sie sich ein Moorbeet an und halten Sie sich an heimische Arten wie Fettkräuter, einige Schlauchpflanzen, Sonnentau, Wasserfalle (Aldrovanda) und Wasserschläuche.

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