Regenwürmer im Rasen

Regenwürmer im Rasen

Regenwürmer nehmen einen wesentlichen Einfluss auf die chemischen, physikalischen und biologischen Prozesse im Boden.

Dementsprechend werden sie als "Ökosystem-Ingenieure" bezeichnet. Regenwürmer sind wohl die bekanntesten Vertreter der sogenannten "Makrofauna" im Boden, Bodenlebewesen mit einem Durchmesser von mehr als 2 mm. Auffällig sind vor allem ihre Erdhäufchen, die im Rasen oft massenhaft auftreten.

 

Merkmale

Regenwürmer gehören zu den Ringelwürmern (Annelida) und umfassen weltweit circa 3.500 Arten, von denen ungefähr 40 bis 60 Arten in Deutschland vorkommen. Eine der häufigsten heimischen Arten ist der Gemeine Regenwurm oder Tauwurm (Lumbricus terrestris), der circa 6 bis 10 cm groß wird. Regenwürmer sind Zwitter, die ihre Eier in Kokons ablegen.

 

Nutzen im Rasen

Regenwürmer tragen auf mehrfache Weise zur Bodengesundheit bei, wie z.B.:

  • Bodenstruktur: Regenwürmer sorgen aufgrund ihrer Grabtätigkeit und Anlage von Wohnröhren für eine verbesserte Bodendurchlüftung. Auch Wasser und darin gelöste Nährstoffe werden in diesen Hohlräumen geleitet. Dadurch wird die Wasserspeicherkapazität des Bodens allgemein erhöht und die Wasserführung verbessert. Bei starken Regenfällen wird das Wasser rascher in tiefere Bodenschichten geleitet. Außerdem fördert ein guter Luft- und Wasserhaushalt die biologische Aktivität des Bodens.
  • Bodendurchmischung: Regenwürmer durchmischen bei ihrer Grab- und Fraßtätigkeit die Bodenschichten. Dabei tragen sie zur Bildung von wichtigen Ton-Humus-Komplexen bei.
  • Bodenfruchtbarkeit: Regenwürmer setzen große Mengen an organischer Substanz um und spielen somit eine große Rolle bei Bodenbildung und Umsetzungsprozessen. Ihre Ausscheidungen (Erdhäufchen) enthalten zahlreiche Nährstoffe, die pflanzenverfügbar sind.
  • Bodenleben: Die Wohnröhren sind von einer Schleimschicht ausgekleidet, die ein reges Leben an Bakterien, Bodenpilzen und anderen Mikroorganismen bietet. Diese spielen im Nährstoffkreislauf und für die Bodenentwicklung eine große Rolle.

 

Lebensweise

Je nach Art unterscheiden sich Regenwürmer in ihrer Lebensweise: Sie kommen entweder an der Bodenoberfläche vor oder leben im Boden, wo sie Wohnröhren anlegen, die horizontal oder vertikal verlaufen können. Die Gänge des Gemeinen Regenwurmes können bis circa 150 bis 240 cm tief in den Boden reichen.
Regenwürmer ernähren sich von abgestorbenem Pflanzenmaterial sowie den darin enthaltenen Pilzen, Bakterien und anderen Mikroorganismen. Auf der Suche nach Nahrung fressen sie sich durch den Boden. Dabei nehmen sie große Mengen an mineralischem Erdmaterial auf, das sie anschließend wieder ausscheiden. Diese Losungen erscheinen als "Häufchen" an der Erdoberfläche.

 

Wenn im Rasen zahlreiche "Erdhäufchen" auftreten…

…ist eine starke Aktivität von Regenwürmern gegeben. Vor allem im Frühjahr und auch im Herbst kann der Rasen durch eine Vielzahl an zusammen geklumpten Ausscheidungen der Regenwürmer optisch beeinträchtigt werden.

Pro Quadratmeter Rasenfläche kommen bis zu 100 bis 200 Tiere vor. Diese können circa 50 bis sogar 200 "Häufchen" pro Quadratmeter hinterlassen. Die Entwicklung der Regenwürmer und somit die Anzahl ihrer Losungen wird von verschiedenen Faktoren gefördert:

  • Vorhandensein von organischem Material
  • Bodenart: Die Grabtätigkeit der Regenwürmer erfolgt in leichten, lockeren Böden viel rascher als in schweren, tonhaltigen.
  • pH-Wert: In sauren Böden sind weniger Regenwürmer anzutreffen als in Böden mit höherem pH-Wert.
  • Witterungsbedingungen: Bei Regenwürmern erfolgt die Atmung nur über die Haut, was eine ausreichende Feuchtigkeit erfordert. Dementsprechend sind die Tiere vor allem im Frühjahr und Herbst aktiv. Sommerliche Trockenheit und Winterkälte überstehen die Regenwürmer, indem sie sich in tiefere Bodenschichten zurückziehen und zusammengerollt in einen Ruhezustand übergehen. Bei milden Wintern bleiben sie jedoch aktiv und kommen in feuchten, frostfreien Nächten auch an die Bodenoberfläche.

Da Regenwürmer ausgesprochen nützliche Funktionen für den Bodenhaushalt vollbringen, ist eine hohe Aktivität dieser Tiere grundsätzlich als positives Zeichen zu werten. Um dennoch die unschönen Häufchen auf der Rasenfläche zu reduzieren, ist es ratsam, das Schnittgut nach dem Mähen zu entfernen. Auf diese Weise wird die eifrige Fraßtätigkeit der Tiere gemindert und folglich entstehen weniger Losungen. Außerdem lassen sich die Häufchen gut zwischen den Gräsern verteilen, sobald sie ausgetrocknet sind.